Jahreszeiten/Phänologie -Tabelle (aktualisiert am 20.11.2005)-
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Die Umsetzung meines Botanik-Interesses in konkretes Pflanzensuchen ab 1984 war in der Anfangszeit sehr häufig von riesigen Enttäuschungen geprägt, hatte ich doch nicht die geringste Ahnung, zu welchem Zeitpunkt im Jahr eine bestimmte Pflanze zur Blüte kommt. Selbstverständlich waren mir aus diversen Bestimmungsbüchern und öffentlichen Medien wie Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen eine Reihe von seltenen(!) Pflanzen bekannt. Gerade diese Medienlieblinge haben es natürlich auch mir angetan - ich wollte sie in freier Natur finden. Bei Exkursionen taten sich viele Fragen auf, deren Beantwortung ich schuldig bleiben musste. Einige Beispiele dazu:
Fragen über Fragen, Probleme türmten sich über Probleme. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich des Öfteren nahe daran war, die Pflanzen-Erkundung wegen zu großer Bestimmungs-Schwierigkeiten aufzugeben. Dann kam das Jahr 1987. Bis dahin, also nach drei Jahren »Botanik-Arbeit« hatte ich Dias von vielleicht 100 Pflanzenarten archiviert. Ich zog ganz einfach einen Schlussstrich. Zwanglos, nur mit dem Ziel, später einmal nachschlagen zu können, begann ich Eintragungen im Tagebuch zu machen. Wetter und Exkursionsfeststellungen waren die Themen, die jeweils notiert wurden. Eigentlich ganz zwangsläufig werden somit seit 1987 die nicht gelösten Fragen zu konkreten Zielen umformuliert. Durch diese einfache Dokumentationsform gelang es mir, 1987 immerhin schon 424 Pflanzenarten zu notieren, allerdings damals noch mit erheblichen Bestimmungs-Unsicherheiten. Die Idee, die ich mit dieser Vorgehensweise verfolgte, lag in einer sinnvollen Exkursionsplanung (das ist übrigens heute nicht anders). Ziel war es ein System zu entwickeln, das mir die folgenden Fragen zu beliebiger Zeit im Jahr mit hinreichender Genauigkeit beantwortet:
Vor allem der letztgenannte Punkt kann nur dann zuverlässig abgearbeitet werden, wenn das Datum der Suche mit der Blütezeit einer gesuchten Pflanze übereinstimmt . Das genau leistet die Phänologie. Bei dieser speziellen Botanik-Disziplin geht es darum, die Entwicklung der Vegetation an einem Ort über die verschiedenen Jahreszeiten hindurch festzustellen; wichtigster Einflussfaktor ist hierbei die Witterung (darüber wird noch zu sprechen sein). Im Prinzip ist das System jedem geläufig durch die vier Jahreszeiten. Die Merkmale
sind sofort einleuchtend. Um diese Natur-Gesetzmäßigkeiten
noch etwas differenzierter betrachten zu können, wird das Jahr in zehn
Jahreszeiten eingeteilt. Beginn und Dauer dieser »Vegetationsperioden« werden
im Gegensatz zu unseren vier Jahreszeiten nicht durch ein fixes Kalenderdatum
bestimmt, sondern durch die Natur selbst. Hier haben ausschließlich die
Pflanzen das Sagen. Jede der zehn Phasen des Jahres wird eingeleitet bzw. bestimmt durch das Eintreffen ganz bestimmter Natur-Ereignisse. Wir können sie als Phänologiezeiger bezeichnen. Das System wird durch Tab. 1, linke Spalten verdeutlicht. Da mit dieser Methode die Vegetationsphase eindeutig bestimmt ist, in die das Datum eines Pflanzenfundes gehört, kann zu jeder Art auch die Vegetationsphase leicht angegeben werden. Im Prinzip beruht auf diesem einfachen System meine ganze Artenzuordnung. Durchaus interessant wird die Geschichte, wenn die Aufzeichnungen über mehrere Jahre vorgenommen und miteinander verglichen werden. Höchst interessant sind die sich daraus ergebenden Bandbreiten von Jahreszeitverschiebungen, die sich als Folge der Witterungseinflüsse von Jahr zu Jahr ergeben. Für Donauwörth habe ich die Eintrittstermine der Vegetationsperioden von 1987 bis heute ermittelt. Aus den langjährigen Feststellungen ergeben sich für ein Jahr die Durchschnittswerte laut Tab. 1, rechte Spalten. Berücksichtigt man nun noch den Umstand, wonach
dann gilt als Faustregel, dass jede in dieser Dokumentation aufgeführte Art an dem in Tab. 1, Spalte »Mitte/Datum« angegebenen Datum der der Pflanze zugeordneten Jahreszeit in freier Natur auch tatsächlich angetroffen wird, und zwar völlig unabhängig davon, wie der Witterungsverlauf des Jahres ist. Eine Ausnahme von dieser Regel bilden vielleicht die Vorfrühlingspflanzen, weil die Schwankungsbreite hier naturgemäß am größten sein kann; abhängig davon, ob der Winter lang andauernd oder kurz gewesen ist. In den vergangenen Jahren hat gemäß eigener Feststellungen das System aber immer funktioniert. Das Datum der Phasen-Mitte in Tab. 1 ist insofern wichtig, da ja alle Pflanzen im Blütestadium entdeckt werden sollen. Am angegebenen Datum sind bei der betreffenden Art wegen der Schwankungsbreite der Jahre die folgenden Entwicklungsstadien möglich:
Wenn wir uns jetzt noch vergegenwärtigen, dass viele Arten länger als einen Monat in Blüte stehen und eine Reihe von ihnen in mehreren Generationen im Jahr auftreten, dann ergibt sich zusätzlich die Chance, bisher übersehene Arten zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zu finden. |
Phaseneintrittstabelle
aktualisiert am 20.11.2005
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Jahreszeit |
Ereignis |
(Durchschnitts-)Werte aus 1987 bis 2005 |
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Beginn |
Dauer |
Mitte |
Beginn |
Diff. |
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Datum |
Tage |
Datum |
frühestens |
spätestens |
Tage |
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Vorfrühling |
Märzenbecher, Hasel, Schneeglöckchen, Leberblümchen jeweils in Blüte |
10.03. |
23 |
22.03. |
18.02. |
28.03. |
38 |
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Erstfrühling |
Schlehe, Buschwindröschen jeweils in Blüte |
02.04. |
36 |
20.04. |
17.03. |
23.04. |
37 |
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Vollfrühling |
Flieder, Kastanie, Eberesche jeweils in Blüte |
08.05. |
25 |
20.05. |
30.04. |
26.05. |
26 |
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Frühsommer |
Holunder, Liguster, Linde jeweils in Blüte |
02.06. |
30 |
17.06. |
20.05. |
18.06. |
29 |
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Hochsommer |
Kornblume in Blüte, Ernte Wintergerste |
02.07. |
30 |
17.07. |
21.06. |
27.07. |
36 |
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Spätsommer |
Ernte Sommergetreide; Eberesche, Kornelkirsche jeweils Fruchtreife |
03.08. |
32 |
19.08. |
19.07. |
11.08. |
23 |
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Frühherbst |
Herbstzeitlose in Blüte, Beginn Laubfärbung der Bäume |
31.08. |
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20.08. |
20.09. |
31 |
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Vollherbst |
Laubfall der Bäume |
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Spätherbst |
Laubfall abgeschlossen, Beginn Nachtfrost |
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Winter |
Nacht- und Tagfrost, Schneefall, Schneeschmelze, ...bis 1 Tag vor Beginn "Vorfrühling" |
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32 |
Tab. 1: Jahreszeiten und ihre Zeiger + Durchschnittswerte aus Donauwörth von 1987 bis 2005
Hinweis:
Die phänologischen Datumsangaben wurden im Landkreis Donau-Ries ermittelt. Als Faustregel gilt, dass die Frühlingsphasen pro Woche etwa 100 Kilometer von Südwesten nach Nordosten wandern. Je nach Standort müssen also Differenztage berücksichtigt werden, um eine Vergleichbarkeit abzuleiten (plus für Norden, minus für Süden). Streng genommen ist es so. Da jedoch allein schon
die Beurteilung, ob eine Art noch im »Blütebeginn- oder Vollblüte-Stadium«, vor allem aber
der Standort unserer Beobachtungs-Objekte je nach ihrer Lage
eine Toleranzgrenze von mindestens 8 Tagen aufweisen, sind die genannten »Wandertage« für die Ziele im Rahmen dieser Dokumentation zu relativieren. »Meine Kastanie«, die ich seit zehn Jahren wieder und wieder besuche, hinkt jedes Jahr ziemlich genau um eine Woche hinter ihren Artgenossen am Bahnhof Donauwörth hinterher. Dabei lebt sie keine vier Kilometer Luftlinie von ihren Artgenossen entfernt, allerdings hundert Meter höher, auf dem Schellenberg, wo sie Wind und Wetter voll ausgesetzt ist. Selbst die Blüten dieses Baumes entwickeln sich an der Südseite um einige Tage schneller als an der Nordseite.
Unter Berücksichtigung dieser Aspekte, auch der bereits besprochenen Robustheit und relativen Wetterunabhängigkeit in der Wachstumsentwicklung können diese Daten für Zwecke der Pflanzensuche durchaus für den süddeutschen Raum insgesamt herangezogen werden.
Phänologie speziell
In bisherigen Ausführungen wurden einige Elemente betrachtet, die typisch für die jahreszeitliche Entwicklung sind. Wir haben gesehen, dass je nach Jahresfortschritt die Landschaften in ihrem Aussehen ein bestimmtes Vegetationskleid tragen. Die ermittelten Jahreszeiten-Eintrittstermine sind sozusagen der Zeitpunkt, an dem die Natur ihre Kleidung wechselt. Den Kleiderwechsel selbst können wir durch Beobachtung erkennen.
Da jedoch die Eintrittsphasen - auch das haben wir erkannt - je nach Lage und Besonderheit des Beobachtungsgebietes selbst von der nächsten Umgebung erheblich abweichen kann, hat sich zur Objektivierung der Feststellungen die wiederkehrende Beobachtung in einem exakt festgelegten Gebiet, noch besser, die jahreszeitliche Begleitung eines einzigen Individuums als äußerst nützlich herausgestellt.
Wichtig für das Festschreiben der Eintrittsdaten über mehrere Jahre hinweg ist
der jeweils einheitliche Entwicklungsstand des beobachteten Ereignisses. Man
muss sozusagen im Laufe der Zeit »den Blick eichen«.