Pflanzensuche -Tabelle-

 

Im bisherigen Verlauf der Analysen haben wir uns mit Zeit- und Gebiets-Aspekten beschäftigt, um ein Grobraster für die Entwicklung und Standorte von Pflanzen zu erhalten. Jahreszeiten (Phänologie) und Lebensräume sind die Themen, anhand derer eine erste Einschätzung und Beurteilung des

 

·       tatsächlich vorgefundenen aber auch des

·       voraussichtlich zu erwartenden

 

Pflanzenaufkommens möglich ist. Sehen wir uns dazu einfach das eine oder andere Landschaftsbild  an und betrachten zu diesen Bildern einige Pflanzenarten laut Motivsuche. Eine sehr einfache Übung, da ja die Selektion der Pflanzen nach Jahreszeit und Lebensraum möglich ist. Damit kann  zunächst der Kreis zwischen Zeit, Raum und Art geschlossen werden. »Zunächst« aber nur, wenn sich der Leser mit den Inhalten dieser Ausarbeitung zufrieden gibt. Da jedoch durch keine Technik der Welt die persönlichen Erlebnisse in freier Natur zu ersetzen sind und sich schon allein deshalb jeder Interessierte sein eigenes Bild machen soll, muß jetzt noch geklärt werden, warum draußen möglicherweise

 

·       Pflanzen zu finden sind, die hier nicht abgebildet sind oder

·       hier aufgeführte Arten in dem angegebenen und aufgesuchten Lebensraum-Typ nicht angetroffen werden.

 

Der erste Teil dieser Frage ist schnell beantwortet. In Mitteleuropa gibt es etwa 3.000 Pflanzenarten, davon im Landkreis Donau-Ries etwa 1.200; diese Dokumentation enthält 1.000 Arten, davon etwa 800 aus dem Landkreis, so dass in diesem Gebiet noch etwa ein Drittel der Arten auf ihre Entdeckung warten. ...viel Raum für Kritik? »Ja, ich gestehe gerne, meinen Wissens- und Entdeckungshunger längst nicht gestillt zu haben.«

 

Der zweite Teil der gestellten Frage ist nur der Umkehrschluss und schließt sich unmittelbar an. Alles in allem haben wir es mit zwei weiteren Unbekannten in unserer Naturgleichung zu tun, die sukzessive aufzulösen sind, nämlich die Themen »Pflanzenverbreitung und -bestimmung«.

 

 

Verbreitung (Gefährdung) -Gefährdungsstufen-

 

Nachstehende Tab. 1 enthält eine kleine Aufstellung von Arten, die ich trotz regelmäßiger, intensiver Suche seit 1987 erst nach mehreren Jahren gefunden habe:

 

Pflanzen-Art

Fund

Suche

Weißer Diptam

1990

3 Jahre

Gelber Lerchensporn

1991

4 Jahre

Sumpf-Blutauge

1992

5 Jahre

Sumpf-Gladiole

1993

6 Jahre

Färber-Waid

1994

7 Jahre

Frühlings-Adonisröschen

1995

8 Jahre

Thymian-Seide

1996

9 Jahre

 

 

 

 

 

 

Tab. 1: Einige Arten und persönliche Suchdauer

 

 

Die Liste ließe sich (fast) beliebig fortführen ...und wenn ich noch dazu an diejenigen Arten denke, die ich zwar kenne aber bisher nicht entdecken konnte, dann bekomme ich beinahe eine Gänsehaut. Spätestens dann, wenn sich herausstellt, dass die unzähligen Exkursionen nicht nur von Erfolgserlebnissen, sondern vielfach auch von Enttäuschungen geprägt waren, wird man nach Ursachen suchen. Bei der immer wieder aufkeimenden Frage, warum manche Arten überall und andere wiederum überhaupt nicht gefunden werden, wird man versuchen, durch systematische Analyse das Problem zu lösen. Ich persönlich habe mir zu diesem Zweck eine Verbreitungsskala von 5 Stufen zurechtgezimmert. Jede gefundene Art wird exakt einer dieser Stufen zugeordnet.

 

Die Stufen mit den zugeordneten Ereignissen sind in Tab. 2 dargestellt.

 

Verbreitung

Merkmale

weit verbreitet

Die Art ist grundsätzlich an allen Orten ihres Lebensraumes anzutreffen; darüberhinaus ist sie ziemlich regelmäßig noch in mindestens einem weiteren Lebensraum zu finden.

verbreitet

ihr Vorkommen ist zwar auf einen Lebensraum begrenzt, hier ist sie aber regelmäßig, meist auch häufig anzutreffen.

nicht verbreitet

eine auf einen Lebensraum begrenzte Art, die aber aus äußerlich nicht erkennbaren Gründen nicht in allen dieser Gebiete zu finden ist.

selten

eine Art, von der mir nicht mehr als 10 Standorte bekannt sind.

sehr selten

Maximal 5 Standorte bekannt; meist sind es Arten, die ich nur aus 1 Gebiet kenne.

 

Tab. 2: Verbreitungsstufen bei Pflanzen

 

 

 

Das System hat sich im Laufe der jahrelangen Feldexkursionen als gut anwendbar erwiesen.

 

Wenn wir jetzt unter diesen Verbreitungsaspekten einige Pflanzen in der Motivsuche betrachten, dazu vielleicht noch ein dazugehöriges Lebensraum-Foto suchen, dann erkennen wir, wie sich

 

·       manche Pflanzenarten weithin sichtbar in üppiger Anzahl

·       andere dagegen gut versteckt zwischen ihren Nachbarn als Einzelindividuen

 

präsentieren. Der Botaniker spricht in diesem Zusammenhang von der Soziabilität, also von der Arten-Geselligkeit. Unabhängig von der Verbreitung in Lebensräumen wird dabei jede Art einer Geselligkeitsstufe zugeordnet; die Palette reicht von Einzelgängern über Polsterpflanzen bis hin zu ausgedehnten, flächendeckenden Beständen einer Art. Darüber hinaus ist die Formenvielfalt stark heterogen, es gibt im Pflanzenreich Riesen und Zwerge, es gibt Arten mit auffälligen Blüten, andere sind farblich unscheinbar, auf den Betrachter können unsere Pflanzen graziös und mächtig oder bescheiden und nüchtern wirken.

 

Jeder Schritt unserer Naturspaziergänge kann von Überraschungen begleitet sein. Vieles von dem, was wir tun ist planbar; vermutlich aber nur die wenigsten Ereignisse in der freien Natur lassen sich in ein festes Schema pressen. Insofern kann auch diese Dokumentation nur als ganz kleiner Auszug dessen verstanden werden, was die Natur an Spielarten parat hat.

 

Gerade weil eben die Überraschungsmomente umso häufiger werden, je länger ich mich mit der Thematik auseinandersetze, habe ich meine ursprüngliche Zielsetzung längst aufgegeben, alles zu entdecken, was es tatsächlich zu entdecken gibt; ein Menschenleben jedenfalls reicht dazu gottlob(!) bei weitem nicht aus, schon gar nicht meine bisherigen Aktivitäten von 25 Jahren.«

 

Pflanzen-Bestimmung

 

Nach allem, was ich bisher erlebt und gesehen habe, glaube ich, vieles zwar entdeckt aber leider nicht dokumentiert zu haben. Eine These, die ich nicht belegen kann. Vielleicht findet ein aufmerksamer Betrachter in irgend einem Foto dieser Seiten eine versteckte Pflanze, die in der Artenliste nicht verzeichnet ist ...ich schließe es nicht aus.

 

Erstaunlich ist übrigens die Feststellung, wonach die gemeinhin als  »Vom Aussterben bedroht« bekannten Pflanzen verhältnismäßig leicht zu finden, vor allem aber relativ leicht zu bestimmen sind; man braucht nur

 

·       einschlägige Zeitungsberichte zu lesen

·       nach grünen Schildern in der Landschaft zu suchen

 

und schon hat man sie. Wie in den übrigen Lebensbereichen auch, so gibt es eben auch in der Pflanzenwelt ganz klare Medienfavoriten, die sich durch ihre Unverwechselbarkeit auszeichnen und über die man spricht.

 

Ganz anders verhält es sich mit Arten, die einander »zum Verwechseln ähnlich sehen« ...und es gibt davon sehr, sehr viele. Es gibt zu diesem außerordentlich schwierigen Thema entsprechend viel Literatur. Ich weiß nur, dass ich mich beim Versuch, eine für mich schwer zu bestimmende Pflanze mit Hilfe der Flora »Schmeil•Fitschen« eindeutig mit dem richtigen Namen anzusprechen, oftmals total verirrt habe. Dennoch macht es Spaß, sofern einem die Geduld nicht verlässt, mit solch einem Werk zu arbeiten.

 

Die Idee, die in diesen Floren verwirklicht ist, kann getrost als genial eingestuft werden. Vom Holzstamm bis zur Zahl der Staubgefäße an Blüten wird das ganze Pflanzenreich nur mit »ja oder nein« zu beantwortenden Fragen abgehandelt. Man verweilt also vor einer Blume oder einem Grashalm und überprüft einfach die befragten Merkmale direkt am Objekt. Je nachdem, ob einzelne Merkmale für die Pflanze zutreffen oder nicht, wird man an eine ganz bestimmte Stelle des Buches weitergelotst.

 

Mitunter kann dieses Spiel Stunden dauern. Insbesondere dann, wenn man beim Bestimmen einer Baumblüte irgendwann ins Grasgefilde kommt und die Verirrung bemerkt ...man fängt dann wieder von vorne an.

 

Eine sehr deutliche »Wegabkürzung« in der Flora (unserem Buch), damit auch die Verringerung des Irrwegrisikos ist möglich, wenn die zu bestimmende Pflanze schon im Vorfeld eindeutig ihrer Familie zugeordnet werden kann. Mit regelmäßigen Übungen gelingt das erfahrungsgemäß sehr rasch.

 

Eine ganz kleine List verfolge ich mit dieser »Flora-Anpreisung« schon:

 

»Das Auseinandersetzen mit einem Grashalm am Feldweg fasziniert mindestens im gleichen Maß, wie der Massen-Ansturm zu Orchideen-Biotopen in den Lechheiden.«

 

Störche-Test